Polarlichter am Äquinoktium
Beitrag: 27. März 2026
Aufnahmen: Nacht vom 20/21. März 2026
 
 
Am Freitag vor einer Woche - ausgerechnet als die Nacht genauso lang wie der gerade beendete Tag war (dem Äquinoktium) - gab es Polarlichter, die aus Idstein heraus fotografiert werden konnten, allerdings wolkenbedingt erst zu später Stunde.

Zu Beginn der Aufnahmen um 23:30 war eine ganz zarte Rotfärbung des Himmels im Kameradisplay zu erkennen:
 
 
Links unten im oberen Bild ist zunächst gut zu erkennen, dass die Fernsicht in dieser Nacht gar nicht gut war. Eine Staub- und Dunstsuppe verhinderte vollständig die Horizontsicht. Dabei mischte sich - neben den üblichen Verdächtigen für Feinstaub - auch etwas Saharastaub (Calima) und einiges an Pollen hinzu, und die Lichtverschmutzung gab dem Himmel den Rest.

Höher am Horizont - ungefähr in der Bildmitte - erkennt man die leichte Rotfärbung. Es handelte sich dabei - nach den Berichten anderer Beobachter aus dem hohen Norden - um den SAR-Bogen.

Anschließend war sehr viel Geduld gefragt, bis wieder Wolkenlücken entstanden und die Polarlichtaktivität zunahm. Erst zwei Stunden später war es soweit, und die ersten zarten und recht konturlosen roten Beamer erschienen im Kameradisplay:
 
 
Eine halbe Stunde später - und bemerkbar gesunkener Körperwärme - kam dann endlich etwas Bewegung ins Bild: es schwappte ein roter Beamervorhang von links nach rechts übers Kameradisplay:
 
 
Er war mit bloßem Auge nicht zu erkennen. Allerdings konnte man im Kameradisplay eine Lilaverfärbung des Himmels über den roten Beamern erkennen.

Nochmal eine halbe Stunde später, als der Nordhorizont endlich wolkenfrei war, konnte die ungewöhnliche Lilafärbung deutlicher ausgemacht werden:
 
 
Und einige Minuten später ließen sich sogar violette Strahlen erahnen:
 
 
Mittels Bildbearbeitung (Sternenentfernung und Kontrastverstärkung) lassen sich diese schwachen Strukturen besser sichtbar machen:
 
 
Es handelt sich dabei um die sehr seltenen Giant Blue Rays (GBR), die dieses Jahr bereits einmal im Januar auftraten. Allerdings war die Farbe für mich erstmalig bereits im Kameradisplay erkennbar. Bei anderen GBR in der Vergangenheit entdeckte ich diese erst nach langem Suchen am Computer.

Man erkennt, dass die Strahlen leicht nach rechts geneigt sind. Die GBR zeigen oft andere Neigung als die tieferen roten Beamern, bewegen sich mit anderen Geschwindigkeiten - und manchmal auch in entgegengesetzte Richtung - als diese.

Um ein Gefühl für den fotografierten Himmelsareal - und der Höhe über den Horizont - zu vermitteln, blende ich im folgenden Bild gelbe Linien bzw. Kurven in 10°-Abständen ein:
 
 
An der Stelle mit der größten Lichtverschmutzung (links unten im obigen Bild) verläuft dabei die Horizontlinie. Oberhalb der Bildmitte sieht man (mit grünen Linien gekennzeichnet) den kleinen Wagen, an dessen untersten Spitze der Polarstern "hängt". An der gelben waagerechten Kurve, die nahe dem Polarstern verläuft, sind es entsprechend (bei uns) 50° über dem Nordhorizont. Und wenn man die Kurven nach oben weiterzählt, erkennt man, dass das Bild oben bei rund 80° über dem Horizont endet. Also fast senkrecht über uns.

Mit diesem Wissen schauen wir uns die Giant Blue Rays im folgenden Bild an:
 
 
Wie man erkennt geht die Lilafärbung bis ganz oben im Bild. Also waren aus unserer Perspektive die GBR fast 80° hoch, während die roten Beamer in den oberen Bildern bis lediglich ca. 25° hoch reichten.

Um das Ganze abzugleichen, schauen wir uns nun die Ansicht des gesamten Himmels mit dem Fischauge zur gleichen Zeit:
 
 
Da erscheint tatsächlich der halbe Himmel Lila oder Violett gefärbt. Mit einigen Bildbearbeitungstechniken lassen sich auch hier die hohen Strahlen etwas besser erkennbar machen:
 
 
Allerdings machen es die Wolken und die damit verbundenen Verfärbungen unmöglich eine klare Grenze zu ziehen. Daher versuchen wir es mal mit einem Differenzbild zwischen Rot und Blau, bei dem ein Graubild herauskommt, in dem die Gelb/Orange-lichtverschmutzten Wolken fast komplett im Hintergrund verschwinden:
 
 
Damit lassen sich die Strukturen der GBR deutlicher abgrenzen: sie beginnen unten im Bild und ziehen sich - recht gerade nach oben verlaufend - fast bis zur Bildmitte (dem Zenit im Fischauge), was zu den zuvor beschriebenen 80° passt. Alles andere hellere oder dunklere im Bild sind Wolken oder - rechts unten - die Milchstraße.

Schauen wir uns nun einen kurzen - sternenreduzierten und kontrastverstärkten - Zeitraffer an, in dem die GBR-Bewegung gut verfolgt werden kann. Zum Starten und Stoppen des Zeitraffers auf das folgende Bild klicken/tippen. Das Video wiederholt sich automatisch in einer Schleife, bis man es stoppt:



Die GBR wanderten - in Realgeschwindigkeit umgerechnet - schneller als beim Polarlichtereignis vom Januar. Ganz grob geschätzt: ca. 3 bis 4 Mal schneller. Und in entgegengesetzte Richtung (im Vergleich zum Januar).

Und zum Abschluss noch ein Zeitraffer des ganzen Höhepunkts dieser Nacht, von den roten Beamern bis zu den Giant Blue Rays - diesmal mit Sternen und ohne besondere Bearbeitung. Einfach auf das Bild klicken/tippen, damit das Video einmal abläuft:

 
 
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